Sandwich Technik

 


Mittlerweile kann man auf vielen Drachenfesten aufwendig genähte Drachen sehen, vor denen der ungeübte Betrachter staunend steht und sich fragen mag wie lange der Bau solch eines Drachens wohl gedauert haben mag.
Ich mag es gar nicht bestreiten, viele dieser Drachen sind wirklich wahre Kunstwerke und wurden unter hohem Zeitaufwand gefertigt.

Stammt man aus der alten Schule, wird man das sg. Applizieren noch richtig gelernt haben, dh. auf eine Grundfläche werden nach und nach einzelne Spinnakerteilchen aufgenäht bis irgendwann das Gesamtkunstwerk fertig ist.

Zum Glück geht die Entwicklung auch im Drachenbau weiter. Für die Applikation bedeutet dies, daß heute hauptsächlich nach der Sandwich Methode vorgegangen wird.
Diese wurde 1995 von den beiden Amerikanern Randy Tom und Jose Sainz auf Fanø in einem Workshop vorgestellt und fand eine rasende Verbreitung.
Zwar ist diese Methode mit einem etwas höherem Stoffverbrauch verbunden, jedoch lassen sich mit ihrer Hilfe wahre Kunstwerke zaubern.

Da in den verschiedenen Newsgroups immer wieder nach dem „know how“ dieser Technik gefragt wird, hier eine kleine Einführung anhand eines einfachen Drachens.

Weihnachten 1996 bekam mein Vater ein ganz persönliches Geschenk von mir, nämlich einen Drachen mit seinem Gesicht darauf.
Entstanden ist dieser Drachen mit Hilfe der besagten Sandwich Technik.

Im ersten Arbeitsschritt sucht man sich eine passende Vorlage, in meinem Fall war es ein einfaches 10 x 15 Bild von dem 95er Weihnachtsfest. Hiervon wurde der Kopf meines Vaters abgepaust, wobei man darauf achten sollte, daß man nicht zuviele Einzelheiten mitnimmt.

 

Im Gegensatz zur herkömmlichen Applikation arbeitet man bei der Sandwich Methode mit zwei Deckschichten, die obere und die untere Deckschicht. Während die obere Deckschicht (die spätere Front des Drachens) aus der dunkelsten Farbe des Motives besteht, in unserem Fall war diese schwarz, hat die untere Deckschicht (die spätere Rückseite des Drachens) aus der hellsten Farbe zu bestehen, in unserem Fall weiß.
Auf die untere, weiße Spinnakerschicht wird nun das Motiv spiegelverkehrt mit einem weichen Bleistift aufgetragen. Spiegelverkehrt deshalb, weil die weiße Schicht die spätere Rückseite des Drachens ist.
Die untere Decke wird anschließend auf die obere, schwarze Decke gelegt, wobei die Bleistiftzeichnung zu sehen sein sollte.
Zwischen diese beiden Schichten werden die einzelnen gewünschten Farben gelegt. Geübte Drachenbauer legen dabei nur noch an die Stellen eine bestimmte Farbe, wo diese später auch benötigt wird. Der Materialverbauch wird so minimiert.

 

Anschließend werden alle Spinnakerlagen mit einem sg. Hot-Tacker entlang der späteren Naht fixiert. Der Hot-Tacker ist ein kleiner Lötkolben (max. 15W) mit sehr feiner Spitze, der die einzelnen Spinnakerlagen miteinander verschweißt und somit gegen das Verrutschen sichert.
Nach dem zusammentackern sämtlicher Lagen wird entlang den Bleistift-Markierungen genäht. Dabei sollte man unbedingt einen Zick-Zack-Stich verwenden, auf 2.5cm Länge kommen dabei ungefähr 20 0.35cm breite Stiche. Prinzipiell sollte man diese Naht erst einmal an ein paar Teststücken üben, entsteht ein Tunnel, Stichbreite erhöhen. Doch vorsicht: breitere Stichbreite, bedeutet auch breitere Stege!

 

Nach dem vernähen werden die nicht benötigten Spinnakerschichten ausgeschnitten. Und zwar sowohl von der Front- als auch von der Rückseite her. Starten Sie mit der Frontseite indem Sie irgendwo innerhalb des nicht benötigten Segmentes einen Schnitt machen und anschließend die Schere zur Naht hin bewegen.
An der Naht angekommen, halten Sie die Schere in einem 45 Grandwinkel wobei der untere Teil der Schere an der Naht entlang fährt.
Wichtig sind hierbei zwei Dinge:
Zum einen darf die Schere nicht spitz sein, denn sonst besteht die Gefahr, daß die Naht verletzt wird und zum anderen sollten 3 bis 4mm Spinnaker von der Naht entfernt stehen bleiben. Trennt man das Spinnaker direkt an der Naht ab, ist eine geringere Haltbarkeit die Folge.
Nachdem man alle überflüssigen Spinnaker-Lagen entfernt hat, sollte der Drachen fertig sein. Gestänge eingesetzt, Waage dran und ab auf die Wiese!

Die hier vorgestellte Methode eignet sich auch für Großdrachen. Hierbei sollte jedoch der Drachen in kleinere Segmente aufgeteilt werden, die später dann zu dem eigentlichen Drachen vernäht werden.
Und noch ein Trick: läßt man innerhalb eines Steges zwei Farben stehen, erhält man, wenn der Drachen in der Luft ist, eine ganz neue Farbe, die man ansonsten im Laden nie hätte kaufen können. Am Boden wirkt dieser Trick freilich nicht.

 

Kleiner Scherz am Rande: ich wollte eigentlich schon immer einmal die Farbkombination rot / grün auf einem Drachen ausprobieren. So hatte ich mir beim Bau des Drachens auch nichts besonderes dabei gedacht.
Als mein Vater dann stolz seinen Drachen in Wiesbaden auf der Wiese auspackte, hatten die dortigen Drachenflieger schnell einen Namen für den Drachen weg: MAO

 

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