Kite´n´Art – Kunst für Büro & Wiese

 

Vielleicht haben Sie in der letzten Ausgabe der KITES&friends unseren Testbericht über den Genki von Siegers Vliegers aus Holland gelesen.
Kreativer Kopf hinter diesem Drachen ist Frank Ludwig, der im Süden der Republik einen Kunstdrachenverlag mit Namen Kite´n´Art betreibt.
Die Resonanz auf den Genki war dermaßen überwältigend, dass wir uns ein wenig näher mit Frank Ludwig, seinem Verlag und seinen Projekten beschäftigen wollen.

Zugegeben, dies ist nicht ein Test wie jeder andere, denn hier handelt es sich nicht einfach um einen Drachen, der auf Herz und Nieren getestet werden soll, sondern um fliegende Objekte – das Medium Kunst auf einen Drachen transferiert.

Dennoch sollte der technische Aspekt nicht vergessen werden, wenngleich dieser in Bezug auf die künstlerische Philosophie, die hinter dem ganzen Projekt steht, wohl ein wenig in den Hintergrund tritt.

Geliefert werden die Kunstdrachen in einem stabilen, schwarzen Nylonköcher. Auf ihm ist ein Bild des darin befindlichen Drachens, sowie dessen technische Daten aufgedruckt.
Im Köcher selbst befindet sich der Drachen, eine Dacronschnur für den Drachen und ein Anleitungsheft.
Anleitungs-„Heft“ ist dabei wohl ein wenig untertrieben, „Büchlein“ käme der Sache schon eher nahe.
Tipps und Tricks zum Aufbau des Drachens, sowie wichtige Sicherheitshinweise zum Drachenfliegen, sind insbesondere für Einsteiger in die Drachenwelt wichtige und unerlässliche Hilfen. Aus diesem Grund sind mitgelieferte Beschreibungen auch ein Kriterium in jedem Drachentest, den wir durchführen.
Doch das, was hier vom Kunstdrachenverlag geliefert wird, geht weit über eine bloße Anleitung hinaus. Auf über 20 Seiten wird zweisprachig der Drachen, der Umgang mit ihm, Tipps und Tricks zum Drachen sowie Fluggelände erläutert und darüber hinaus wird noch erwähnt welcher Künstler hinter dem Motiv des jeweiligen Drachens steht. Selbst Bert Brechts Drachenlied fand noch Eingang in das Büchlein.
Ein solch ausführliches Heft haben wir bei noch keinem Drachen zuvor gesehen und sind wahrlich beeindruckt über dessen Umfang und Aufbau. Hieran könnte sich manch ein Hersteller ein Beispiel nehmen.

Der Drachen selbst wird durch HQ, der Drachenschmiede von InVento gefertigt. Qualität ist hier oberstes Gebot, HQ steckt nicht nur im Namen, „high quality“ findet Einzug in den Drachen.
Bei den beiden Drachen, die KITE&friends vorlagen, gab es in Sachen Verarbeitungsqualität nichts auszusetzen. Sämtliche Nähte waren sauber verarbeitet, Kett und Schuss wurde beachtet.
Lediglich der Umstand, dass der untere Spreizstab nicht mit einem Plastikstopper versehen war, machte ein wenig stutzig.
Laut Frank Ludwig ist dies jedoch so gewollt. Durch die sich hier befindlichen Dacrontaschen ist ein Durchstoßen des Segels sehr unwahrscheinlich. Andererseits würde ein Plastikstopper die Stabtasche unnötig aufspreizen, was wiederum nicht im Sinne optimierter Bildwirkung wäre.
Betrachtet man die Philosophie, die hinter dem Aufbau der Drachen steht, so ist diese Argumentation durchaus nachvollziehbar.
Frank Ludwig legt größten Wert darauf, dass die Kunstwerke nicht durch irgendwelche Nähte, Laschen oder gar Segeldurchbrüche verunstaltet werden.
Um dies zu erreichen hat der findige Tüftler die heutige Drachenform entwickelt, die auf zwei, mittlerweile patentierten, Ideen beruht.
Zum einen wurde alles technisch Nötige innerhalb eines umlaufenden Passepartouts untergebracht und die Waage außerhalb des Segels befestigt. So bleibt das Motiv völlig frei von Nähten, Kielen, Ösen oder Löchern für die Waage.
Zum zweiten wurde dank einer genial simplen Gestängefixierung, durch sog. Begrenzungsschlaufen, eine nahezu universelle Vereinfachung im Drachenbau geschaffen, die z.B. auch Rechteckdrachen mit stufenlos beliebiger Streckung erlaubt.
Hier hat sich somit die Drachenform dem Motiv angepasst und nicht, wie so oft, umgekehrt.
Besagte Schlaufen haben zudem einen gewollten Zweiteffekt. Bei Dekoration im Haus wird oftmals eine höhere Segelspannung gewünscht.
Dies ist bei den Drachen von Kite´n´Art leicht und schnell vorzunehmen: einfach die Spannschlaufen ein wenig eingedreht und schon wird die Wölbung des Spreizstabes dahingehend verändert, dass der Stab nunmehr straffer im Segel sitzt.

Fazit zum Thema Technik der Drachen: hervorragend.
InVento als Hersteller der Drachen ist Garant für hohe Qualität im Drachenbau. Kite´n´Art stellt mit dem „Rahmenprogramm“ wie beispielsweise dem Anleitungsheft und nicht zu vergessen dem künstlerischen Teil der Arbeit den hohen Standard des Gesamtprogramms sicher.

Wenden wir uns nun dem zweiten Aspekt unserer Testdrachen zu – dem künstlerischen. Diesem Aspekt würde in einem normalen Drachentest wohl keine Aufmerksamkeit geschenkt werden, bekanntlich sind Geschmäcker verschieden.

Bei Kite´n´Art ist die künstlerische Gestaltung des Drachens jedoch wesentlicher Teil der Philosophie. Einer Philosophie im übrigen, die sehr interessant ist und gesonderter Erläuterung bedarf.
Angefangen hat bei Frank Ludwig alles mit der von Dr. Paul Eubel ins Leben gerufenen Ausstellung „Bilder für den Himmel“.
Für diese Ausstellung haben namhafte Künstler auf der ganzen Welt Kunstwerke auf Drachen angefertigt.
So beeindruckend die Sammlung „Bilder für den Himmel“ auch ist, wer kann sich von uns schon einen Original Rauschenberg oder Graham Dean, zumal als Unikat, an die Wand hängen? Wohl niemand.

Hier greift die Idee von Frank Ludwig ein, denn bei Kite´n´Art gibt es benutzbare Kunst zu erschwinglichen Preisen.
Kunst, die sowohl drinnen, im eigenen Heim, an der Arbeitsstätte oder im Geschäft an einer Wand hängen kann. Aber auch Kunst, die ebenso einfach von der Wand genommen und schon im nächsten Augenblick mittels Drachenleine in den Himmel gesendet werden kann.

Die auf diesen Seiten gezeigten Drachen stammen aus der Kite´n´Art Linie „Multiple Kite Gallery“. Daneben gibt es noch andere Produktlinien zu bewundern, mehr dazu im nächsten Heft.
Der Gedanke hinter „Multiple Kite Gallery“ ist folgender: namhafte Künstler gestalten fliegende Kunstdrucke. Diese werden in Siebdrucktechnik auf den Drachenstoff aufgebracht und in offener Stückzahl, dh. ohne Limitierung verkauft. Diese Editionsform führt letztendlich den für ein Kunstwerk recht geringen Kaufpreis mit sich.
Sieben Drachen mit verschiedenen Kunstwerken gibt es derzeit. „Luftlinien“ von Hans Turek hat dabei eine Höhe von 83cm bei einer Breite von 60cm, „Katzen“ von Hans Dumler misst 53cm in der Höhe und 71cm in der Breite.

Die Gretchenfrage ist wohl, wie die aufgedruckten Farben am Himmel auf den Betrachter am Boden wirken. Und hier erlebten wir eine Überraschung.
Zugegeben, wir waren anfangs recht skeptisch, als wir vom Siebdruckverfahren gehört haben. Aber mindert dieses Verfahren die Farbbrillanz? Verwischen die Konturen oder wird die Fläche gar zu dunkel?
Nichts von dem ist der Fall – klare und leuchtende Farben, eine wahre Augenweide in der Luft.

Abschließend noch ein paar Bemerkungen zum Flugverhalten.
Beide Drachen, stehen sauber in der Luft, sollte der Wind zu böig werden, hilft der beigelegte Fransenschwanz weiter. Unser subjektiver Eindruck war, dass der hochformatige Drachen „Luftlinien“ böigen Wind besser auspendeln konnte, als sein Bruder im Querformat
Das Windspektrum beider Drachen ist enorm. Mit ein bisschen Feinjustierung der Waage, fliegen sie sowohl in leichten, als auch in auffrischenden bis starken Winden.
Die Einstellungsmöglichkeiten werden im übrigen hervorragend im schon erwähnten Begleitheft beschrieben.

Fazit nach einem langen Drachentag: für EUR 50.- erhält man hier ein hervorragendes Stück Kunst.
Egal, ob man den Drachen in die eigenen vier Wänden hängt oder mit auf die Wiese nimmt.
Egal ob er als Kunstobjekt betrachtet oder als Drachen benutzt wird – die Drachen aus der „Multiple Kite Gallery“ machen in allen Lebenslagen eine hervorragende Figur.
Und für diese EUR 50.- bekommt man einiges in die Hände: ein Kunstwerk von einem renommierten Künstler entworfen, ein Drachen in hervorragender Qualität und nicht zuletzt auch ein Stück Wohn- und Lebensqualität.

Freuen Sie sich mit uns auf den nächsten Teil unserer Serie mit einem Portrait von Frank Ludwig, und im übernächsten Heft den letzten Teil mit dem Workshop zu Frank Ludwigs Techniken.

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