Auszüge aus dem in SDD 6/99 veröffentlichten Artikel von Reiner Hesselbach, Fotos von Reinhard Klar


Im Rahmen des 15. Int. Kitefliers Meeting Fanø fand in diesem Jahr erstmalig das 1. Int. Tetra Meeting statt. Hierzu eingeladen waren alle Drachenbegeisterten, die sich in irgendeiner Form mit den Drachen von Alexander G. Bell beschäftigen.
Durchgeführt wurde das Treffen, das vom Deutsch-Dänen Ralf Dietrich ins Leben gerufen worden ist, an zwei Tagen. Dabei war der Donnerstag dem Symposium und der Freitag dem Treffen am Strand vorbehalten.
Wie andere Veranstaltungen innerhalb des Kitefliers Meetings auch, wurden sämtliche Erlöse aus dem Tetra Meeting der Kinderhilfe von Kolumbien zur Verfügung gestellt.

 


Ralf Dietrich bei der Begrüßung der Gäste auf dem Symposium am Donnerstag


Schade war lediglich, dass sich die Hersteller von Tetra-Verbindern außerstande sahen diese Idee in irgendeiner Art zu unterstützen.
Andere Firmen verhielten sich hier weitaus lobenswerter. So entwarf etwa die Würzburger Werbeagentur DSP gratis das Logo des Treffens, der Mindener Pin-Hersteller Pro-Pin spendierte 75 Pins mit dem besagten Logo und Stickerei Baldewein aus Nienburg rüstete die Crew mit Caps aus.

Das Tetra Meeting startete am Donnerstag den 17. 6. gegen 15 Uhr in der Schule von Nordby mit dem Symposium. Zu diesem fanden ca. 70 Besucher den Weg nach Nordby.

Nach einer kurzen Einführung von Ralf Dietrich sprach Scott Skinner, Präsident der DRACHEN Foundation, über Zweck und Ziele dieser Organisation.


Scott Skinner, Präsident der DRACHEN Foundation, und John Mitchell als Übersetzer

 

So war es beispielsweise die Foundation, die zu diesem Symposium zum einen mit 150 Dias beigetragen und zum anderen die Leihgabe des kanadischen Bell Museums in Form von vier original Bell-Zellen aus der Zeit um die Jahrhundertwende ermöglicht hat.

 


Achim Kinter, Ralf Dietrich und Scott Skinner (v.l.n.r.) mit den original Bell-Zellen

 

Anschließend präsentierte Ralf Schröder aus Kiel seine einfache, aber geniale Idee zur Herstellung von preiswerten Tetra-Eder Verbindern.
Manch einer wird sich schon den Bau eines Tetra-Eders überlegt, dann jedoch vor dem Preis der auf dem Markt angebotenen 8mm-Systeme zurückgeschreckt haben.

 


Ralf Schröder aus Kiel bei der Präsentation seiner Kugel-Verbinder

 

An dieser Stelle wird Ralfs Idee interessant. Der Kieler nahm preiswerte Kugelköpfe nach DIN-Norm (Stückpreis 50 Pfennig) und bohrte in diese mit Hilfe einer Bohrschablone die benötigten Löcher. Da dieses System für 6mm Rohre ausgelegt ist, halten sich die Kosten in einem überschaubaren Rahmen.

 


Bohrschablone zur Anfertigung preiswerter Tetra-Verbindern

 

Im Anschluss an Ralf Schroeder referierte Achim Kinter in einem hochinteressanten 1 ½ stuendigen Diavortrag über das Leben und Schaffen von Alexander Graham Bell.

 


Achim Kinter bei seinem Vortrag zur Geschichte Alexander Graham Bells

 

Achim verstand es hervorragend die vielen Facetten im Leben des Alexander Bell in seinem Vortrag zu bündeln und so lernte nicht nur ich neue, bis dahin unbekannte Aspekte im Schaffen des Drachenpionieres kennen.
Neben den Vorträgen gab es zudem verschiedene Exponate zu bestaunen. Zum einen waren da schon die Eingangs erwähnten original Bell-Zellen zu sehen.
Zum anderen verstanden es die Organisatoren eine breite Palette an verschiedenen Tetras in der Aula der Schule aufzubauen.
Neben den bekannten Tetras nach dem Bauplan der beiden Berliner Hans Soyka und Thomas Kratz in 8mm Ausführung waren auch Tetras nach dem Bauplan von Ralf Schröder zu sehen.
Der bekannte Drachenbauer Willi Koch sowie Gerd Bott zeigten zudem Variationen von Tetras. Indem sie die Stablängen und daraus resultierend auch die Länge der Segelkanten veränderten, entstanden völlig neue Drachen.
Puristen werden in diesen Drachen wohl keine Tetras mehr sehen, ich meine aber, dass eben dieses Querdenken erfrischend auf die Drachenszene wirkt.

 


Willi Kochs Interpretation eines Tetras

 

Erfrischend war auch der Tetraeder des Würzburgers Stefan Müller. Er baute einen 20 Zeller aus Strohhalmen, Pergamentpapier und Abstandhaltern von Fliesen. Preiswerter kann man sich seinen Traum von einem Tetra wohl nicht mehr erfüllen.

 


Stefan Müller zeigte einen Tetra aus Strohhalmen und Fliesenverbindern

 

Am Freitag dann stand das große Fliegen am Strand von Fanø auf dem Programm und ca. 2000 Besucher fanden den Weg zum Tetra Treffen.

 


Ralf Dietrich beim Aufbau seines 35 Zellers

 

Die Sonne schien, jedoch blies der Wind jenseits der 10 m/s Marke und so wurde der Aufbau so manches Tetras ein um das andere Mal verschoben.
Einige Mutige bauten dennoch ihre Drachen auf und einige Wenige ließen ihre Unikate sogar in die Lüfte

 


Gerd Bott, Willi Koch und Holger Lendla (v.l.n.r) mit Willis Tetra im Streifendesign

 

Willi Koch zeigte ein Tetraeder in bekannter Streifen-Facon.

Hiervon inspiriert baute Holger Lendla einen wunderschönen Tetra mit T-förmigen Segmenten.

 


Holger Lendla beim Aufbauen seines Tetras


Weitere Höhepunkte an diesem Tage waren die Variationen von Gerd Bott sowie der eigens für dieses Meeting gebaute Tetra von Scott Skinner mit original Teilen von Till Krapp und Alu-Gestaenge.

 


Tetra – Variationen von Gerd Bott


Eigens für das Meeting baute Scott Skinner diesen Tetra

 

Den Preis für den am schnellsten auf und ab zu bauenden Tetraeder hat wohl der Braunschweiger Axel Kostros gewonnen. Axel hat sich ein geniales System einfallen lassen mit dem er einen 10 Zeller wie einen Regenschirm auffalten konnte.

Dabei sind die äußeren Kanten des Drachens mit Stangen versehen, die ihrerseits mit Gummis zusammengehalten worden sind. Löst man einen dieser Gummis, fällt der gesamte Drachen in sich zusammen.

 


30 Sekunden Aufbauzeit für diesen Tetra – Rekord von Axel Kostros

 

Der kleinste Tetraeder des Treffens stammte von Ralf Maserski aus Dortmund. Ralf schnitt ein Stueck Karton nach einem bestimmten Muster ein. Drückte man dann den Karton wie eine Ziehharmonika zusammen, faltete sich ein Tetra auf.
Geflogen wurde dieser Tetraeder an einer Angelrute.

 


Tetra aus einem Stück Karton gefalzt – Mini von Ralf Maserski

 

Die Resonanz, die Ralf Dietrich auf dieses Tetra Meeting bekommen hat, war durch die Bank weg positiv.
Sowohl das Symposium am Donnerstag als auch das Meeting am Freitag sind sowohl bei Teilnehmern als auch bei Besuchern gut angekommen.
Der Erlös aus den Pins, welcher im vollen Umfang der Kinderhilfe von Kolumbien zu Gute kam, betrug am Ende über 2500.- Kronen.

 


Einige der Teilnehmer des 1. Int. Tetra Meeting Fanø 1999


Für die Zukunft hat uns Ralf Dietrich zwei Dinge versprochen: zum einen wird in der nächsten Ausgabe der Sport & Design Drachen eine Nachlese zum 1. Int. Tetra Meeting auf Fanø erscheinen.
In diesem Artikel soll dann nochmals näher auf verschiedene Highlights des Treffens eingegangen werden, wie beispielsweise die Herstellung von Tetra-Verbindern nach der Methode von Ralf Schröder.

Zum anderen war Ralf sehr froh über den Erfolg der Veranstaltung, sodaß auch für das Jahr 2000 wieder ein Treffen geplant ist.
Ralf wird sich in einer der nächsten Sport & Design Drachen hierzu äußern, soviel sei aber schon an dieser Stelle verraten: die Veranstaltung wird in „Fanø Classics“ umgetauft werden und jedes Jahr wird ein anderer Drachen in den Mittelpunkt gerückt.
Im Jahr 2000 wird der Schwerpunkt auf Roloplan Drachen liegen und die Veranstaltung wiederum über zwei Tage gehen.

 

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