16. Drachenfest Lünen &
20. Deutsche Drachenmeisterschaft

30. 9. – 2.10.2005

 


„Erst kam der Regen, dann kein Wind“ – so lautete die kurze, knappe Beschreibung von Christian Treppner und Werner Althoff, den Organisatoren des alljährlichen Mega-Events am Rande des Ruhrpotts, zu dem, was sich da zwischen dem 30. September und 2. Oktober in Lünen abspielte.

Rein aus organisatorischer Sicht hätte das Drachenfest dabei nicht besser anlaufen können. Die Crew war top motiviert, das anfängliche Chaos in geordnete Bahnen gelenkt, die Helfer im Laufe der Jahre perfekt aufeinander eingespielt und über 500 Teilnehmer aus dem In- und Ausland haben schlussendlich ihr Kommen zugesagt. Das Catering Unternehmen vor Ort ließ keine Wünsche offen und bis hin zum Shuttle-Service, der unermüdlich zwischen den verschiedenen Unterkünften der Teilnehmer pendelte, lief alles wie am Schnürchen ab.

Bis dann am Samstagmorgen der Himmel zeitgleich mit dem Drachenfest die jeweiligen Pforten öffnete. Es regnete und regnete, der Ruhrpott zeigte sich von seiner feuchten, tristen Seite und während die Wiesen immer feuchter wurden, vergrößerten sich die Sorgenfalten auf manch eines Drachenfliegers Stirn. Lediglich Helge Haas, Stamm-Moderator des Drachenfestes, ließ sich seine gute Laune nicht nehmen und eröffnete das Fest mit seinem schon traditionellen „Guuuuuten Morgen – Lünen“ Weckruf. Seine weiteren Ausführungen zum Thema Unterwasserfliegen, Lynn-Kraken und anderes Wassergetier hätte es freilich nicht mehr bedarft, denn zu diesem Zeitpunkt waren die Drachenflieger schon reichlich durchnässt. Gegen Mittag riss dann endlich der Himmel auf – Wind gab es zwar immer noch nur in der Sparversion, aber wenigstens gab es keine Feuchtigkeit von oben mehr. So konnten also die angereisten Drachenflieger endlich einen Teil ihrer Kreationen zeigen. Auch an den nächsten beiden Tagen blieb der Regen aus, leider jedoch auch der Wind. Werner Althoff rechnete so mit nur 50.000 Besuchern an den drei Festtagen – einen Wert, der normalerweise an einem einzigen Tag erreicht wird.

 

Dennoch, streifte der interessierte Besucher an den einzelnen Tagen über die Wiesen, konnte durchaus das eine oder andere Kleinod entdeckt werden. Recht einfach ließ sich dabei der heimliche Star des Festivals entdecken, oder besser gesagt, man musste einfach früher oder später über ihn stolpern. Denn quer über das gesamte Gelände zog sich eine riesige Centipede. Wei Chen war extra mit ihr aus dem fernen Weifang in China angereist um die größte Centipede außerhalb Chinas erstmals in Lünen zu zeigen. Dabei ist Wei eigentlich gar kein „gelernter“ Drachenbauer wie sonst in China üblich. Nein, Wei Chen ist von Haus aus Anästhesist und war bis vor einigen Jahren noch am staatlichen Krankenhaus von Weifang tätig. Dann aber gewann er einige Drachenolympiaden in China und die Staatsführung entschloss sich Wei´s Talent anderweitig zu nutzen. Wei musste somit Äther und Spritzen beiseite legen und sich fortan der Drachebaukunst widmen. Zusammen mit 10 Assistenten entstand so in monatelanger Arbeit diese gigantische Centipede, die mittlerweile auf über 300 Meter Länge angewachsen ist. Mit viel Fleiß und Helfern gelang es Wei mehrmals die Centipede in die Luft zubekommen.

Andere Drachenflieger hatten es da nicht so gut. Die Kastendrachen von Karl Dambeck mussten wegen Windmangels am Boden bleiben, Maja und Willi, Stablose von Dirk Krüger und Walter Blom, zu feucht um in die Luft zu kommen.

So war es nicht verwunderlich, dass einige Drachenfreunde den Weg in die Sporthalle einer nahen Schule fanden. In Zusammenarbeit mit dem DCD und unter Leitung von Ralf Maserski fand hier ein Workshop mit Robert Brasington aus Tasmanien statt. An zwei Tagen zeigte Robert sowohl den Bau seines Fan-Kites als auch den Aufbau seiner neuen, rotierenden Windspiele.

 


Apropos DCD. Schon fast traditionell richtet der Verein die deutschen Meisterschaften der Einleiner in Lünen aus. Viel Unruhe gab es in der Drachenszene, als von den letzten deutschen Meisterschaften die Rede war, schließlich löst sich der DCD zum Jahresende hin auf. Doch Jürgen Ebbinghaus hatte frohe Kunde für die angereisten Teilnehmer an der DM – es wird weitergehen, auch wenn sich der DCD auflösen wird, so ist doch eine neue Trägerschaft gefunden.


Vielleicht lag es an dem drohenden Aus für die Meisterschaften, auf jeden Fall haben sich in diesem Jahr richtig viele Teilnehmer für den Wettbewerb gemeldet und Jörg Rüther, Einleinerbeauftragter des DCDs, hatte ordentlich zu tun. Ihm zur Seite stand eine kompetente Jury bestehend beispielsweise aus solch Urgestein wie der Hamburger Raimund Dorow, der Ehrenpräsi des DCB Werner Siebenberg oder der Schweizer Drachenbuch Autor Rainer Neuner. Ausserdem in der Jury: Uli Cziollek aus Recklinghausen und Jerry Swift aus England.


Bis auf die offene Klasse konnte so alle Klassen der Meisterschaft durchgeführt werden und nach einem spannenden Wettbewerb standen am Abend des Samstages die neuen deutschen Meister fest: bei den Flachdrachen konnte der aus Süddeutschland stammende Architekt Heinrich Hohmann die Jury von seiner Drachenbaukunst überzeugen. Heinrich baute einen gewölbten Flachdrachen bei dem er Gaze und Spinnaker so geschickt verwendete, dass wundervolle Farbenspiele an den leider etwas grauen Himmel gezaubert wurden.

 

Ralf entschied den Wettbewerb bei den Kasten- und Zellendrachen für sich. Mit seinem Cellular-N konnte Ralf beweisen, dass nicht nur Drachen mit gigantischen Ausmaßen eine Chance bei einem Wettbewerb haben können, sondern dass eine Jury sehr wohl auch Handwerk zu würdigen weiß. Gerade einmal 70 auf 90cm ist Ralfs Zellendrachen groß und komplett aus Bambus und Japanpapier gefertigt. Mehr zum Cellular-N an dieser Stelle.

Hennes Kurbjuhn zog mit viel körperlichen Einsatz seine Cyklopen-Kette an den Himmel – 1. Platz bei den Kettendrachen. Als einziger Teilnehmer aus dem Jahre 2004 konnte der Schweizer Rene Maier seinen Titel verteidigen. Überzeugte er im letzten Jahr mit einem Bell-Tetra, blieb er in diesem Jahr Alexander Graham Bell treu und baute den Bell Oionos nach einem Plan von Ralf nach. Mit diesem sechs Meter messenden Giganten entschied Rene die Standard-Klasse für sich.

Andere Giganten hatten es da schwerer. Die Stablosen konnten trotz mehrerer Versuche nicht an den Himmel gezogen werden. Zum einen war die Wiese, und damit auch das Tuch, einfach zu feucht, zum anderen fehlte es einfach am nötigen Wind um die stablosen Drachen überhaupt in Form bringen zu können. So entschied sich die Jury schweren Herzens die Flugbewertung zu streichen und die Stablosen am Boden zu beurteilen. „Just in time production“ mag ein beliebtes Mittel bei heutigen Firmen sein, Christian Laskowski aus Herten nahm dies wohl recht wörtlich. Schon die Nächte vor der DM nähte er wie der Teufel und selbst als die DM am Samstag bereits in vollen Bahnen lief, knüpfte Pumuckel, wie Christian von seinen Freunden genannt wird, noch in der nahen Turnhalle Waagenschnüre. Um 13 Uhr sollte der Wettbewerb starten, um 12:56 Uhr rauschte Christian mit heißen Reifen auf die Wettbewerbswiese. All die Arbeit, die durchwachten Nächte, haben sich gelohnt – denn die Jury platzierte Pumuckels Ufo auf den ersten Platz und Christian damit zum besten Newcomer des Wettbewerbes.

Deutsche Meister 2005: (v.l.n.r.) Rene Maier, Ralf Dietrich, Christian Laskowski, Hennes Kurbjuhn; Heinrich Hohmann
stehend dahinter: Sparkassendirektor als Sponsor, Helge Haas als Moderator und Jürgen Ebbinghaus als Chef vons Ganze


Am Samstagabend dann ein weiterer Höhepunkt des Festes: das Nachtdrachenfliegen mit anschließendem Feuerwerk. Zwar störte hier ein wenig der aufziehende Bodennebel, sodass schon nach kurzer Zeit die Drachen zu feucht für einen Start waren, das Feuerwerk bei absoluter Windstille war dafür umso besser.



Ergebnisse der 20.ten DM in Lünen

Flachdrachen
1. Platz Heinrich Hohmann 343 Punkte
2. Platz Marcus Ertl 292 Punkte
3. Platz Karl – Ullrich Körtel 276 Punkte

Zellendrachen
1. Platz Ralf Dietrich 371 Punkte
2. Platz K. – Heinz Preußner 342 Punkte
3. Platz Edgar Schade 332 Punkte

Stablose Drachen
1. Platz Christian Laskowski 335 Punkte
2. Platz Bernhard Dingwerth 319 Punkte
3. Platz Eva & Ralf Dietrich 306 Punkte

Kettendrachen
1. Platz Hennes Kurbjuhn 280 Punkte
2. Platz Tom Teubner 274 Punkte
3. Platz K.- Heinz Preußner 254 Punkte

Standarddrachen
1. Platz Rene Maier 358 Punkte
2. Platz Heinrich Hohmann 328 Punkte
3. Platz Stefan und Dagmar Reilmann 304 Punkte

Größter Leinenwinkel
Kein Wettbewerb aufgrund von Windmangel

Haspelwettbewerb
1. Platz Berndt Schuhmacher
2. Platz Albert Kämper
3. Platz Peter Müller

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